Wenn das Leben Wind und Wellen bietet…

Wenn das Leben Wind und Wellen bietet…

…dann ist es Zeit zum Surfbrett zu greifen. 😉

Es ist Sommer. Ich liebe den Sommer! Für mich ist er immer eine Zeit, um in mich zu gehen, um mich mit mir und meinem Business auf tieferer Ebene zu beschäftigen. Wie schon die letzten Jahre, habe ich mir auch dieses Jahr für Urlaub und Innenschau gut 6 Wochen Zeit gegeben. Herrlich. In einer Zeit ohne Druck und Termine kann sich vieles neu ordnen. Im Geist und auch im Körper.

Doch so ganz frei von Druck sind diese 6 Wochen dieses Jahr wohl nicht geblieben…

 

Auf der Welle reiten

Wenn ich auf meine letzten Wochen und Monate zurückschaue, dann muss ich sagen, es war eine sehr intensive Zeit. Beruflich und privat war ich sehr gefordert und wenn manchmal mehrere Dinge zugleich passiert sind, dann ging es vor allem darum, bei mir zu bleiben und mich nicht in den Strudel der Dinge reinziehen zu lassen. Planen ging dieses Jahr noch schweriger als in den vergangenen Jahren. Und wenn man nichts mehr planen kann, dann bleibt einem nur, auf der Welle der Ereignisse zu reiten. Wie auf einem Surfbrett von einer zur nächsten und mich dem Lauf der Wellen hinzugeben. Dazwischen die eine oder andere Feinjustierung zu machen und mit der Bewegung im Außen mitzugehen. Sich um die Dinge zu kümmern, die mir das Leben präsentiert hat, mich aber nicht zu tief emotional aus der Bahn werfen zu lassen, um handlungsfähig zu bleiben. Wer schon mal wellengeritten ist, weiß, dass Kontrolle dabei nicht funktioniert. Je mehr wir verkrampfen und kontrollieren möchten, desto mühevoller und schwieriger wird es und desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter die Welle kommen. Dann gibt es kein Fließen, keinen Flow mehr.

 

Fließen lassen

Im Flow zu sein wird häufig als ein äußerst angenehmer und positiver Zustand beschrieben. Und das stimmt auch. Der Flow hat aber nichts mit einer angenehmen Situation zu tun. WIR bewerten, ob eine Situation, eine Phase gut oder schlecht ist. Für sich ist sie wertneutral, auch, wenn wir sie anders wahrnehmen. In diesem Sinne kann es auch in Situationen, die wir als mühsam oder schwierig einstufen einen Flow geben, der uns durch die Phase trägt und uns stabil fühlen lässt, trotz aller Turbulenzen. Der Flow entsteht, wenn wir die Kontrolle abgeben Dann wird es automatisch leichter. Das Thema oder die Situation mag herausfordernd bleiben, aber das Gefühl dazu verändert sich, wenn wir versuchen mit den Bewegungen der Zeit mitzugehen und sogar lernen, das Wellenreiten spielerisch zu betrachten.

Mit Kontrolle abgeben ist nicht gemeint, sich um nichts mehr zu kümmern und alles sein zu lassen. Damit ist gemeint, wachsam im Moment zu sein, bereit für das, was gerade ansteht und sich darum zu kümmern. Das erfordert wache Präsenz und Vertrauen in uns selbst. Wenn wir auch nur einige Minuten jeden Tag damit verbringen, „etwas hinter uns zu bringen“ oder „etwas zu überstehen“, dann vergeuden wir wertvolle Lebenszeit. Wenn wir auch schwierige Situationen nicht weg schieben, sondern uns einlassen und auf der Welle reiten, dann können wir auch Herausforderungen leichter ertragen.

Die Frage ist also: wie oft ertappst du dich dabei, dass du dir denkst, dass etwas nur möglichst rasch vorbei sein soll?

Beim Wellenreiten im Meer denken wir ja auch nicht konstant „ich bringe das jetzt hinter mich“, sondern versuchen wach und aufmerksam jede Sekunde zu genießen.

Ich war letztens mit meiner Freundin Doris Flying Fox fliegen. Doris fand, wir müssten mal wieder aus unserer Komfortzone steigen. Also buchten wir – durchaus mit gemischten Gefühlen. Beim Flying Fox fliegt man – in unserem Fall in den Salzachschluchten in Salzburg – einen knappen Kilometer lang gut 20 Meter über ca. 60m tiefes Wasser. Man hängt dabei an einem Stahlseil und springt von einem Absprungpunkt ins Nichts. Das Herausfordernde für uns war nicht der Flug mit 60km/h über dem Wasser, sondern der Absprung: uns einzulassen, die Kontrolle abzugeben und einfach zu springen, mit dem Wissen, wir werden dann noch gut 5m absacken, bevor wir unsere „Reisehöhe“ erreicht haben und die Fahrt losgeht. Dieser Moment war die Herausforderung. Wir waren hin und her gerissen zwischen Vorfreude und es “hinter uns zu bringen”. Wie skurril, denn wir hatten es ja freiwillig gebucht und noch dazu dafür bezahlt.

Um die Kontrolle abgeben zu können braucht es ein Quäntchen Mut und eine große Portion Vertrauen. Vertrauen, dass alles zur richtigen Zeit passiert. Und wenn es dann vorbei ist und wir uns eingelassen haben, bleibt kein Gefühl von vergeudeter Zeit zurück, sondern Lernerfahrungen, Erkenntnisse und inneres Wachstum.

 

Bewusst machen

Vielleicht möchtest du dir ja im Sommer noch ein wenig Zeit nehmen, um bewusst zu beobachten, wie du mit deinen täglichen Herausforderungen umgehst. Und wenn du dich dabei ertappst, dir gedanklich (oder laut) den Satz „ich will es endlich hinter mich bringen“ zu sagen, dann halte bewusst inne und ersetze ihn durch etwa anderes, wie z.B. “ich lasse mich jetzt ein und bin gespannt auf das, was kommt.”

Noch eine Buchempfehlung für Zeiten des In-sich-Gehens:
David Steindl-Rast, Fülle und Nichts – von Innen her zum Leben erwachen, Verlag Kreuz

Fotocredit: Fotolia.com

Tun im Nichtstun

Tun im Nichtstun

Zu Jahresbeginn legen die meisten von uns Vorsätze fest, schmieden Pläne, schreiben Wünsche nieder und stecken uns Ziele. Dabei wäre es allerdings wichtig, auch ans Nichtstun zu denken… Warum?

Grundsätzlich bin ich jemand, der sich sehr gut selbst motivieren kann. Freude am Tun und am Ergebnis sind meine Treiber und meist mit von der Partie, wenn ich arbeite. Von KollegInnen und KlientInnen höre ich oft, dass sie mich um diese Fähigkeit beneiden. Ja, und ich muss sagen, ich bin auch recht froh darüber. Aber selbst das beste Talent hat auch seine Schattenseiten.

In meinem durchaus motivierten Tun kann es nämlich passieren, dass ich zu vieles, oder alles, was auf der To Do-Liste steht, als wichtig erachte. Und dann wird es schnell mal zu viel. Dies und das, hier du dort, dieses und jenes. Trotz Motivation und Freude an der Arbeit. Denn auch mein Tag hat nur 24 Stunden. Ja, wirklich! 😉 Multitasking war die letzten Jahrzehnte eine viel gelobte Eigenschaft. Gottseidank kommen immer mehr Menschen drauf, dass Multitasking dauerhaft negativen Stress verursacht und mit Effizienz und guten Ergebnissen wenig zu tun hat. Natürlich kann es phasenweise Spaß machen, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu haben. Danach braucht es aber auch wieder eine Phase der Ruhe. Und viele von uns finden es herausfordernd sich diese dann zu gönnen. In der Ruhe, im vermeintlichen Nichtstun entsteht allerdings ganz viel, auch, wenn man glaubt, gerade nichts zu tun.

Seit ich erwachsen bin kenne ich die Herausforderung, alles, was ich tun will und alle Menschen, für die ich Zeit haben will, unter einen Hut zu bringen. Es gibt Zeiten da gelingt es gut und Zeiten, da habe ich das Gefühl, ich hinke allem hinterher… Die Zeiten, wo es gut funktioniert, haben gemeinsam, dass ich mir den Druck nehme, alles schaffen zu müssen. Dann entsteht so etwas wie ein Flow-Zustand.

Zeit wird mehr, wenn man sie teilt.
Was ich in diesen Zeiten des Hinterherhinkens gelernt habe ist, dass es dann am besten ist, gar nichts zu tun. Nichts. Also nichts von dem, was zu tun wäre. Es dreht sich also nicht darum, tatenlos herumzusitzen, sondern den Druck aus dem, was zu tun ist herauszunehmen. Stattdessen ein gutes Buch zu lesen, ein Powernapping einzulegen, spazieren zu gehen, mit dem Partner auf einen Kaffee zu gehen, mit Freunden zu telefonieren oder einfach nur dazusitzen und in sich hinein zu spüren. Und dann den (meist selbsterzeugten) Druck abfließen zu lassen. Sich Ruhe zu gönnen. Um dann wieder fokussiert an die Dinge gehen zu können.

Interessanterweise hat sich in den letzten Jahren immer wieder bestätigt, dass, wenn ich untätig/ unproduktiv bin, zwar zuerst das schlechte Gewissen größer wird, sich aber die Dinge danach entweder von selbst erledigen oder sich rascher erledigen lassen. Und: klarer wird, was wirklich wichtig ist und manches eben nicht wichtig ist. Damit passiert auch eine natürliche Selektion der To Dos. Je öfter man sich dieses Innehalten zugesteht, desto seltener meldet sich das schlechte Gewissen, denn es erkennt die Bedeutung der Ruhe.

„Wenn du keine Zeit hast, dann widme anderen Menschen etwas von deiner Zeit und du wirst plötzlich mehr Zeit haben“, sagt eine buddhistische Weisheit. Und auch das funktioniert. Es lässt uns aus dem Trott aussteigen und schafft Energie für Neues.

Ruhe und Wirkung.
In 64keys wird diese Qualität im Tor 52 beschrieben, das aus dem Antriebszentrum kommt und dafür verantwortlich ist, dass wir mit unserer Antriebskraft in Einklang kommen können. Das alte chinesische I-Ging beschreibt das Tor 52 als die Qualität der Ruhe, des Stillehaltens, des Zurückkehrens zu sich selbst. Die Qualität, die hier gemeint ist, ist die, die man umgeben von hohen Bergen wiederfindet. Die Ruhe, das Innehalten, die dafür sorgen, dass der Druck zu handeln unterbrochen wird, weil die Berge noch zu hoch sind, der Zeitpunkt, sie zu besteigen noch nicht gekommen ist. Im Innehalten kann sich die Energie bündeln („in der Ruhe liegt die Kraft“) um dann fokussiert umgesetzt zu werden. Vergleichbar mit einem Bogenschützen, der ruhig und fokussiert seinen Bogen spannt, bevor er – sehr zielgerichtet – seinen Pfeil absetzt. Wenn der Bogenschütze nicht in der fokussierten Ruhe ist, geht der Pfeil in irgendeine Richtung und hat keine Wirkung. Genauso wie bei uns, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf zu viele Dinge richten und zu wenig innehalten. Dann wird nichts richtig wirksam umgesetzt.

„Wenn du es eilig hast, geh langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg.“ Sagt eine japanische Weisheit. Kennen wir. Es lohnt sich, sich immer wieder daran zu erinnern!

Auf das Wesentliche besinnen
Und was bedeutet das für dich persönlich? Vielleicht findest du es manchmal schwierig, fokussiert zu sein oder hast zu viele Dinge parallel am Köcheln? Möchtest dich nicht mit zu vielen Themen und Aufgaben gleichzeitig auseinandersetzen oder haderst manchmal damit, dass du nicht multitaskingfähig bist  – während andere das schon zu sein scheinen? Dann mach‘ dir bewusst, dass genau diese Ruhe und Fokussiertheit die Potenziale des Tores 52 sind. Sie sind die Schlüssel gegen deine Rastlosigkeit und helfen dir dabei, dich auf das Wesentliche zu besinnen. Denn Vieles ist ganz und gar nicht wichtig.