Über die Art, wie wir so manche Entscheidung treffen.

Wir Menschen sind interessante Wesen: zum einen mögen es die wenigsten von uns, Entscheidungen zu treffen, zum anderen wollen wir auch nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wie also nun?

Wer von Ihnen trägt sich gerade mit einer großen Entscheidung? Oder fühlt sich gerade ohnmächtig, sich zu entscheiden? Oder hat sich zwar im Außen entschieden, aber innerlich nicht (und zwar dann, wenn es Sie noch weiter zum Grübeln bringt)?
Wie oft glauben wir, Entscheidungen getroffen zu haben und sie innerlich aber so gar nicht getroffen zu haben? Das fällt uns erst dann ein, wenn wir  – oft schon nach kurzer Zeit – unsicher werden, unsere Entscheidung revidieren oder einen Rückzieher machen… Woran liegt das? Weil wir vielleicht nicht das Ergebnis einer Entscheidung erkennen können oder Angst haben, dass etwas schief gehen könnte?

Entscheidungen haben immer mit einer Wahlmöglichkeit zu tun – auch, wenn wir es manchmal so nicht nennen würden, wenn wir z.B. für unser Empfinden “nur” zwischen zwei vermeintlichen Übeln “wählen” können.

Es gibt Menschen, die entscheiden vorrangig strategisch, rational überlegt, wenn sie einen Plan und ein erkennbares Ziel vor den Augen haben. Wenn sie glauben, das Ergebnis einer Entscheidung  am Horizont erkennen zu können. das vermeintlich sichtbare Ergebnis schafft gefühlte Sicherheit. Und Sicherheit bedeutet “Überleben”. Und trotzdem ist es so, dass man den Ausgang einer Entscheidung eben nicht im Vorhinein weiß. Wahrscheinlich nie. Von klein auf haben die meisten von uns gelernt, auf Sicherheit zu achten. So funktioniert unsere Welt in vielen Belangen. Aber Sicherheit gibt es nicht. Und dann gibt es Menschen, die sich mehr auf ihr Gespür verlassen, die aus Interesse an einer Erfahrung entscheiden, also erfahrungsorientiert, ohne genau sagen zu können, was am Ende des Tages passieren wird. Die also kein klar formulierbares und konkretes Ziel vor Augen haben, sondern mehr ein Gefühl Triebfeder für die Entscheidung ist.

Wenn ich mein Leben betrachte, dann fällt mir auf, dass ich die großen Entscheidungen, wie z.B. meine Selbstständigkeit, so gut wie nie im Lichte eines erkennbaren Ergebnisses gefällt habe. Es war immer vor allem mit einem starken Bauchimpuls kombiniert, einem Gefühl und einer Klarheit, die nicht erklärbar waren. Wenn ich heute darauf zurückschaue, dann denke ich mir oft: ui, das war schon mutig, den ich hatte damals keine klare Strategie (okay, einen Business Plan schon, aber das war auch schon alles). Und gleichzeitig erinnere ich mich an das Gefühl, das da war und das mir Sicherheit gab und nach wie vor gibt. Unerklärbar. Ohne konkreten Plan.

Im Businessleben müssen wir Entscheidungen meist erklären und mit Zahlen belegen können, nachvollziehbare Gründe haben oder Erfahrungswerte vorweisen können. Auch hier geht es wieder um Sicherheit. Denn es könnte ja schief gehen. Und da sind wir auch schon bei unserem Umgang mit Entscheidungen, die nicht gut gegangen sind, die gescheitert sind…das wollen wir schließlich vermeiden. Doch wieso wollen wir das denn eigentlich vermeiden? Hat denn nicht eine negative Erfahrung auch ihren positiven Wert?

Unsere Wirtschaft funktioniert strategisch rational. Wir machen Business-Pläne, wir schreiben Unternehmensstrategien, setzen uns Ziele und sind am Ende “verwundert”, wenn dann eh alles ganz anders kommt. Menschen, die vorrangig erfahrungsorientiert entscheiden, tun sich in einem solchen wirtschaftlichen Umfeld schwer, denn sie können den Nutzen von Strategie und Zielen schwer nachvollziehen, empfinden sie als Zeitverschwendung. Es geht ihnen mehr um die Erfahrung als um die Strategie, mehr um “das gefühlte Was” ich umsetzen will als um das konkrete Ergebnis.

Strategisch entscheiden und alles zu kontrollieren wird in den kommenden Jahrzehnten im Wirtschaftsleben wohl einen anderen Stellenwert einnehmen, als in den letzten Jahrzehnten. Die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre haben uns wieder gezeigt, wie schwierig Prognosen und Planungen sind. Planung ist dann gut, wenn sie eine Richtschnur darstellt, die veränderbar sein darf, weil neue Entscheidungen getroffen werden, die auf Basis von neuen Erfahrungen getroffen werden. Und neue Lösungen zeigen sich vorrangig durch Erfahrungen, die Raum für Bewegung geben.