Mehr Charisma braucht die Wirtschaft.

Inspiriert durch einen sehr vielschichtigen Diskussionsabend zum Thema Charisma im Club alpha vor ein paar Tagen, habe ich mir die Frage gestellt, was eine charismatische Führungskraft ausmacht.

Die Wurzel des Wortes Charisma kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet eine „mit Wohlwollen erhaltene Gabe“ oder „Geschenk“. Es ist also etwas, was jemand als Anlage hat, wie ein Talent und das man auch, wie ein Talent, verfeinern kann. Verbreitung fand der Begriff durch Paulus, der vor allem den kirchlichen Leistungen einen charismatischen Charakter zuwies, im Sinne eines Geschenks an die Menschen, fernab von materiellen Interessen. Die heutige Bedeutung von Charisma als besondere Ausstrahlung entstand erst im 20. Jahrhundert, wobei im deutschen Sprachgebrauch „Charisma“ bereits ab dem 18. Jhdt. zu finden ist, allerdings vornehmlich in christlichen Zusammenhängen für die Begabung eines Christen.

Charisma kommt also aus dem Inneren eines Menschen: Für mich ist wohl auch mehr als „nur“ Ausstrahlung. Es ist gekoppelt mit einer Vision oder einem Anliegen, das ein Mensch emotional nach außen trägt. Es zeigt sich durch die innere Beseeltheit mit einer Sache bzw. mit einer Botschaft, die zum Wohle der Allgemeinheit zum Ausdruck gebracht werden will. Solchen Menschen sagt man oft nach, dass sie selbstbewusst sind, in Frieden mit sich selbst – und dadurch authentisch -, einen Lebenssinn empfinden und vor allem ein echtes Interesse an anderen Menschen haben. Außerdem verfügen sie über eine stark wahrnehmbare Präsenz. In der Geschichte kennen wir viele Menschen, die wir als charismatisch bezeichnen, sei es Martin Luther King, John F. Kennedy oder Princess Diana. Interessant ist allerdings, dass das, was wir als charismatisch bezeichnen nicht allgemeingültig zu sein scheint. Es gibt Menschen, die beispielsweise John F. Kennedy kein besonderes Charisma zuschreiben. Es könnte also sein, dass Charisma als Spiegelung erst im Betrachter entsteht und alleine und allgemeingültig für sich nicht existiert. Offenbar entsteht die Wahrnehmung von Charisma also immer nur in Beziehung mit anderen Menschen. So tauchte in der Diskussion auch die Frage auf, ob es denn charismatische Einsiedler gäbe: ein Einsiedler braucht kein Charisma, weil er nur für sich ist. Und wenn er es besitzt, dann wird es immer erst dann sichtbar werden, wenn er in Kontakt mit anderen Menschen ist.

Wenn Charisma eine Gabe ist, dann wäre eine Conclusio, dass man es auch nicht lernen kann, maximal verfeinern und weiterentwickeln. Ich persönlich glaube auch, dass es nicht für jeden Menschen wichtig ist, charismatisch zu sein, weil jeder von uns eine andere Aufgabe in dieser Welt hat. Dort, wo jemand mit Menschen auf einer persönlichen Ebene zu tun hat, sie bestärkt oder in einem Arbeits- oder Entwicklungsprozess begleitet, hilft es sicher. Sei das beispielsweise als Führungskraft, als PolitikerIn, als Lehrerin, Arzt, Therapeut oder Coach.

Was macht nun eine charismatische Führungspersönlichkeit aus? Ich habe mich umgehört und folgende Antworten bekommen:

  • Jemand, der andere inspiriert und eine menschenfreundliche Geisteshaltung vermittelt.
  • Jemand, der andere dazu ermutigt, ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten zu entwickeln.
  • Jemand, der eine Vision hat.
  • Jemand, dem es nicht vorrangig um sich als Person geht, sondern um sein ehrenhaftes Anliegen.
  • Jemand, der das Menschliche in all seinen Facetten in den Mittelpunkt stellt.
  • Jemand, der nicht aus “Ego-Gründen” Vorbild ist, sondern durch sein authentisches Handeln.

Wenn wir uns in unserer Businesswelt oder in der Politik umsehen, dann ist es augenscheinlich, dass wir dringend mehr Menschen mit diesen Qualitäten brauchen: Menschen, die sich auf ehrliche Weise mit ihrer Vision und Menschenliebe für das Gesamtwohl einsetzen. Es sind auch genau diese Menschen, von denen wir uns gerne mitreißen, begeistern und inspirieren lassen, weil wir spüren, dass ihnen ihre Botschaft ein echtes Herzensanliegen ist.

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Wiener Leadership Breakfasts in Wien 6

Ein Mal im Monat laden wir zum Wiener Leadership Breakfast in die Lutz Bar in Wien 6 ein. Bei diesem Business Frühstück widmen wir uns in kleinen moderierten Einheiten den Begriffen aus der neuen Arbeitswelt und der agilen Unternehmensführung.
Die Teilnahme ist kostenlos, Konsumationen sind bitte selbst zu bezahlen.
Anmeldungen bitte an welcome@wienerleadershipkongress.at.

Max. TeilnehmerInnenanzahl: 8
Alle Termine und Infos finden Sie hier.

Wiener Leadership Nights

Mehrmals pro Jahr laden wir herzlich zu einem Abend über aktuelle sinn- und werteorientierte Wirtschaftsthemen ein.
Das Programm ist vielfältig: von Filmvorführungen mit anschließender Diskussion angefangen, über moderierte Gesprächsrunden bis zu kurzen Impulsvorträgen über das neue Arbeiten und Führen der Zukunft.
Nutzen Sie die Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen, mit uns zu diskutieren und bei einem Gläschen Wein neue Kontakte zu knüpfen.
Termine und weitere Details hier

 

“Fake it till you make it!”

Kennt Ihr das auch: es gibt viel zu tun und irgendwie kriegt Ihr gerade nichts weiter? Alles, was Ihr angreift lässt sich nicht machen, lässt sich nicht umsetzen, funktioniert gerade nicht oder Ihr braucht jemandes Unterstützung dazu, der gerade nicht da ist? Ja, solche Tage gibt es! Was macht Ihr denn an solchen Tagen?

Ich bin ja ein Mensch, der dazu neigt, sich selbst Druck zu machen und für mich können sich solche Tage echt mühsam anfühlen, wenn nichts weitergehen will, Das spannende ist, dass, wenn Dinge zu stagnieren scheinen, verliere ich auch leicht mal die Freude für Dinge, die ich sonst sehr gerne mache. Dann werde ich richtig lustlos und frustig-faul. Und das ist definitiv nicht mein liebster Zustand. 😉

In solchen Situationen hilft mir Laufen oder Yoga, dem innerlichen, hausgemachten Druck auf eine andere Art zu begegnen, ihm den Druck rauszunehmen – zumindest biochemisch. Stagnation ist allerdings nur eine Illusion, wie wir wissen, denn die Welt bewegt sich immer weiter. Vielleicht gefühlt gerade nicht in dem Bereich, auf den ich gerade mein persönliches Augenmerk gelegt habe. Wenn der Druck dann durch das Laufen ein erträglicheres Maß angenommen hat, habe ich einen klareren Blick auch für andere Dinge, die es sonst auch noch zu tun gibt. Und dann fange ich mal an irgendeiner anderen Ecke an.

„Fake it till you make it“ hat mir die amerikanische Glücksforscherin Barbara Fredrickson auf einem Seminar letztes Jahr im Juni mitgegeben. „Tu mal so als ob, bis es kippt und du es schaffst“, bedeutet das in etwa. Dieses Motto erklärte sie uns im Zuge eines Vortrags zu ihren Glücksforschungen und dem Widerstand gegen beispielsweise regelmäßiges Meditieren oder auch anderen Dingen, die wir in unserem Leben als mühevoll, aber wichtig empfinden. Für manche ist das z.B. auch Sport, oder weniger zu essen oder sich mit einer neuen Software zu beschäftigen oder mehr zu lesen oder ein Buch zu exzerpieren oder oder oder. Einfach anfangen, meinte sie, auch, wenn man gerade keine Lust darauf hätte oder den Zugang dazu gerade nicht spüren könnte. Dann käme irgendwann der Moment, wo es plötzlich funktioniert und sogar Spaß macht.

An Tagen, wo nichts weitergeht oder ich nichts weiterbringe, beginne ich schnell auch an den Dingen, die mir normalerweise Freude bereiten, die Lust zu verlieren. Und weil das gar kein befriedigender Zustand ist, fange ich dann meist mit irgendetwas anderem an. Dranzubleiben an Dingen, die jetzt im Augenblick nicht funktionieren wollen und mich darüber ärgern und hineinsteigern hat keinen Wert, auch, wenn es gerade dringend nötig wäre. Vielleicht ist zu der anderen Sache in diesem Moment auch keine große Lust da – weil ja gerade zu gar nichts Erkennbarem Lust da ist: egal, einfach beginnen! Und siehe da, es braucht vielleicht ein wenig mehr Energie zu Beginn, aber wenn man dran bleibt dann kommt die Freude wieder zurück und meist lassen sich dann auch die anderen „zwickenden“ Angelegenheiten leichter und schneller erledigen…