Wenn das Leben Wind und Wellen bietet…

Wenn das Leben Wind und Wellen bietet…

…dann ist es Zeit zum Surfbrett zu greifen. 😉

Es ist Sommer. Ich liebe den Sommer! Für mich ist er immer eine Zeit, um in mich zu gehen, um mich mit mir und meinem Business auf tieferer Ebene zu beschäftigen. Wie schon die letzten Jahre, habe ich mir auch dieses Jahr für Urlaub und Innenschau gut 6 Wochen Zeit gegeben. Herrlich. In einer Zeit ohne Druck und Termine kann sich vieles neu ordnen. Im Geist und auch im Körper.

Doch so ganz frei von Druck sind diese 6 Wochen dieses Jahr wohl nicht geblieben…

 

Auf der Welle reiten

Wenn ich auf meine letzten Wochen und Monate zurückschaue, dann muss ich sagen, es war eine sehr intensive Zeit. Beruflich und privat war ich sehr gefordert und wenn manchmal mehrere Dinge zugleich passiert sind, dann ging es vor allem darum, bei mir zu bleiben und mich nicht in den Strudel der Dinge reinziehen zu lassen. Planen ging dieses Jahr noch schweriger als in den vergangenen Jahren. Und wenn man nichts mehr planen kann, dann bleibt einem nur, auf der Welle der Ereignisse zu reiten. Wie auf einem Surfbrett von einer zur nächsten und mich dem Lauf der Wellen hinzugeben. Dazwischen die eine oder andere Feinjustierung zu machen und mit der Bewegung im Außen mitzugehen. Sich um die Dinge zu kümmern, die mir das Leben präsentiert hat, mich aber nicht zu tief emotional aus der Bahn werfen zu lassen, um handlungsfähig zu bleiben. Wer schon mal wellengeritten ist, weiß, dass Kontrolle dabei nicht funktioniert. Je mehr wir verkrampfen und kontrollieren möchten, desto mühevoller und schwieriger wird es und desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter die Welle kommen. Dann gibt es kein Fließen, keinen Flow mehr.

 

Fließen lassen

Im Flow zu sein wird häufig als ein äußerst angenehmer und positiver Zustand beschrieben. Und das stimmt auch. Der Flow hat aber nichts mit einer angenehmen Situation zu tun. WIR bewerten, ob eine Situation, eine Phase gut oder schlecht ist. Für sich ist sie wertneutral, auch, wenn wir sie anders wahrnehmen. In diesem Sinne kann es auch in Situationen, die wir als mühsam oder schwierig einstufen einen Flow geben, der uns durch die Phase trägt und uns stabil fühlen lässt, trotz aller Turbulenzen. Der Flow entsteht, wenn wir die Kontrolle abgeben Dann wird es automatisch leichter. Das Thema oder die Situation mag herausfordernd bleiben, aber das Gefühl dazu verändert sich, wenn wir versuchen mit den Bewegungen der Zeit mitzugehen und sogar lernen, das Wellenreiten spielerisch zu betrachten.

Mit Kontrolle abgeben ist nicht gemeint, sich um nichts mehr zu kümmern und alles sein zu lassen. Damit ist gemeint, wachsam im Moment zu sein, bereit für das, was gerade ansteht und sich darum zu kümmern. Das erfordert wache Präsenz und Vertrauen in uns selbst. Wenn wir auch nur einige Minuten jeden Tag damit verbringen, „etwas hinter uns zu bringen“ oder „etwas zu überstehen“, dann vergeuden wir wertvolle Lebenszeit. Wenn wir auch schwierige Situationen nicht weg schieben, sondern uns einlassen und auf der Welle reiten, dann können wir auch Herausforderungen leichter ertragen.

Die Frage ist also: wie oft ertappst du dich dabei, dass du dir denkst, dass etwas nur möglichst rasch vorbei sein soll?

Beim Wellenreiten im Meer denken wir ja auch nicht konstant „ich bringe das jetzt hinter mich“, sondern versuchen wach und aufmerksam jede Sekunde zu genießen.

Ich war letztens mit meiner Freundin Doris Flying Fox fliegen. Doris fand, wir müssten mal wieder aus unserer Komfortzone steigen. Also buchten wir – durchaus mit gemischten Gefühlen. Beim Flying Fox fliegt man – in unserem Fall in den Salzachschluchten in Salzburg – einen knappen Kilometer lang gut 20 Meter über ca. 60m tiefes Wasser. Man hängt dabei an einem Stahlseil und springt von einem Absprungpunkt ins Nichts. Das Herausfordernde für uns war nicht der Flug mit 60km/h über dem Wasser, sondern der Absprung: uns einzulassen, die Kontrolle abzugeben und einfach zu springen, mit dem Wissen, wir werden dann noch gut 5m absacken, bevor wir unsere „Reisehöhe“ erreicht haben und die Fahrt losgeht. Dieser Moment war die Herausforderung. Wir waren hin und her gerissen zwischen Vorfreude und es “hinter uns zu bringen”. Wie skurril, denn wir hatten es ja freiwillig gebucht und noch dazu dafür bezahlt.

Um die Kontrolle abgeben zu können braucht es ein Quäntchen Mut und eine große Portion Vertrauen. Vertrauen, dass alles zur richtigen Zeit passiert. Und wenn es dann vorbei ist und wir uns eingelassen haben, bleibt kein Gefühl von vergeudeter Zeit zurück, sondern Lernerfahrungen, Erkenntnisse und inneres Wachstum.

 

Bewusst machen

Vielleicht möchtest du dir ja im Sommer noch ein wenig Zeit nehmen, um bewusst zu beobachten, wie du mit deinen täglichen Herausforderungen umgehst. Und wenn du dich dabei ertappst, dir gedanklich (oder laut) den Satz „ich will es endlich hinter mich bringen“ zu sagen, dann halte bewusst inne und ersetze ihn durch etwa anderes, wie z.B. “ich lasse mich jetzt ein und bin gespannt auf das, was kommt.”

Noch eine Buchempfehlung für Zeiten des In-sich-Gehens:
David Steindl-Rast, Fülle und Nichts – von Innen her zum Leben erwachen, Verlag Kreuz

Fotocredit: Fotolia.com

“Können wir das schaffen? – Ja, wir schaffen das!”

“Können wir das schaffen? – Ja, wir schaffen das!”

Durch diesen Sommer hat mich Bob der Baumeister in Form meines kleinen 3-jährigen Neffen Max begleitet, der bei jeder Gelegenheit beinahe wie aufgezogen Bobs Credo von sich gab. Und das ist ja bekanntlich auf die Frage seiner Leute “Können wir das schaffen?”: “Ja, wir schaffen das!”

Ich bin kein Mensch langer Überlegungen. Wenn ich von etwas Feuer gefangen habe, dann packe ich es an. So war das auch im Herbst 2014, als ich auf einem Kongress in Köln zum Thema “Generation Y” war. Unglaublich inspiriert und motiviert kam ich mit der Idee zurück, etwas ähnliches zum Thema “neue Arbeitswelten” in Wien auf die Beine stellen zu wollen. Ich setzte mich hin, schrieb ein Konzept und rechnete mal, wie sich denn eine solche Veranstaltung ohne Sponsoren rechnen könnte. Mein Bauchgefühl hatte mir vorher schon gesagt, das müsse sich ausgehen und das war auch das Ergebnis meines Kalkulation. Nach Weihnachten warf ich mich in die Umsetzung. So, wie ich das immer wieder mache, wenn ich eine Idee habe. Nicht lange fackeln, einfach machen. Von einer Kollegin bekam ich damals das Feedback, dass es zweierlei Menschen gäbe: die einen, die mehrere Jahre über einem Konzept und der Realisierung brüten und die anderen, die „einen Pflock in die Erde rammen und einfach tun“ – so wie ich.

Ich überlegte mir einen Namen für die Veranstaltung und nachdem mich keine der “neuen Bezeichnungen” wie Barcamp oder ähnliches überzeugte, wählte ich einen klassischen Namen: Wiener Leadership Kongress. Schnell war eine Webseite gebaut, auf der ich mal die grundsätzliche Idee hinaustragen konnte.  Dann ging ich daran, die Impulsgeber auszuwählen. Wichtig war mir dabei das Menschenbild und die Haltung. Natürlich hatte ich schon 1-2 klingende Namen im Visier, die als Keynotes die Eröffnung bestreiten sollten: Prof. Dr. Hans A. Wüthrich, einer der Pioniere, was die Erforschung neue Arbeitswelten betrifft und Dr. Erhard Busek, Verfechter des europäischen Gedankens und ehemaliger österreichischer Bundeskanzler. Obwohl ich beiden Herrn kein Honorar zusichern konnte, hatte ich beide rasch an Bord. “Mir gefällt Ihre Idee und die Art und Weise was und wie Sie das umsetzen”, war das Feedback der beiden.

Obwohl der Anfang leicht ging, gab es zwischendurch auch Phasen, wo es zwickte. Ich bemerktem wie ich begann die Freude zu verlieren, obwohl alle nach wie vor mit an Bord waren. Meine Ungeduld war größer als die Geschwindigkeit, in der sich das Projekt auch im Sinne von Anmeldezahlen entwickelte. Der ursprünglich geplante Termin für den Kongress war der 12. Juni 2015. Gut 5 Wochen davor war klar, dass ich nicht die kritische Masse an Anmeldungen haben würde, um für die bisher angemeldeten Teilnehmer qualitativ die Art von Veranstaltung bieten zu können, die mir am Herzen lag. Frust kam auf und mein Ego meldete sich zu Wort:” Du kannst unmöglich verschieben, was erzeugt denn das da draußen für ein Bild? Das sagt ja aus, dass du nicht erfolgreich bist.” Eine harte Phase. Wenige Tage später entschied ich mich für eine Verschiebung auf November und diese auch ganz offen und ehrlich in einem Blogbeitrag zu kommunizieren bzw. alle, die sich bis dato angemeldet hatten persönlich anzurufen. Schlagartig ging es mir besser. Die Freude kam wieder zurück. Und die Resonanz war plötzlich um einiges höher…

Der Fokus lag (und liegt) aber nicht auf großen Namen, sondern auf Menschen, die abseits der Medien neue Herangehensweisen in ihren Unternehmen ausprobierten und Erfahrungen machten. Mein Ziel ist es, mit dem Wiener Leadership Kongress keine schicki-micki-Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die von einer Art “Vertriebs-Spirit” geprägt ist wo es vorrangig darum geht, dass “Experten” ihre Angebote zu verkaufen oder in einer Form der Selbstdarstellung ihre Leistungen hervorheben. Mir geht es darum, etwas in der Wirtschaft zu verändern, einen Beitrag zu leisten, dass wir in Zukunft Arbeit nicht mehr als Belastung erleben, sondern als freudvollen Zeitvertreib. Und den Menschen eine Bühne zu geben, denen das auch ein Herzensanliegen ist und daher neue Wege gehen.

2016 wird der Wiener Leadership Kongress zum zweiten Mal über die Bühne gehen und auch für 2017 gibt es bereits Pläne. Fast alles ist möglich, wenn man dran glaubt, dran bleibt und auch dann nicht aufgibt, wenn es mal nicht so leicht geht. Wenn die Motivation aus dem Herzen kommt geht die Rechnung am Ende des Tages auf.

Bildnachweis: Rainer Sturm/ pixelio.de

Mehr Charisma braucht die Wirtschaft.

Mehr Charisma braucht die Wirtschaft.

Inspiriert durch einen sehr vielschichtigen Diskussionsabend zum Thema Charisma im Club alpha vor ein paar Tagen, habe ich mir die Frage gestellt, was eine charismatische Führungskraft ausmacht.

Die Wurzel des Wortes Charisma kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet eine „mit Wohlwollen erhaltene Gabe“ oder „Geschenk“. Es ist also etwas, was jemand als Anlage hat, wie ein Talent und das man auch, wie ein Talent, verfeinern kann. Verbreitung fand der Begriff durch Paulus, der vor allem den kirchlichen Leistungen einen charismatischen Charakter zuwies, im Sinne eines Geschenks an die Menschen, fernab von materiellen Interessen. Die heutige Bedeutung von Charisma als besondere Ausstrahlung entstand erst im 20. Jahrhundert, wobei im deutschen Sprachgebrauch „Charisma“ bereits ab dem 18. Jhdt. zu finden ist, allerdings vornehmlich in christlichen Zusammenhängen für die Begabung eines Christen.

Charisma kommt also aus dem Inneren eines Menschen: Für mich ist wohl auch mehr als „nur“ Ausstrahlung. Es ist gekoppelt mit einer Vision oder einem Anliegen, das ein Mensch emotional nach außen trägt. Es zeigt sich durch die innere Beseeltheit mit einer Sache bzw. mit einer Botschaft, die zum Wohle der Allgemeinheit zum Ausdruck gebracht werden will. Solchen Menschen sagt man oft nach, dass sie selbstbewusst sind, in Frieden mit sich selbst – und dadurch authentisch -, einen Lebenssinn empfinden und vor allem ein echtes Interesse an anderen Menschen haben. Außerdem verfügen sie über eine stark wahrnehmbare Präsenz. In der Geschichte kennen wir viele Menschen, die wir als charismatisch bezeichnen, sei es Martin Luther King, John F. Kennedy oder Princess Diana. Interessant ist allerdings, dass das, was wir als charismatisch bezeichnen nicht allgemeingültig zu sein scheint. Es gibt Menschen, die beispielsweise John F. Kennedy kein besonderes Charisma zuschreiben. Es könnte also sein, dass Charisma als Spiegelung erst im Betrachter entsteht und alleine und allgemeingültig für sich nicht existiert. Offenbar entsteht die Wahrnehmung von Charisma also immer nur in Beziehung mit anderen Menschen. So tauchte in der Diskussion auch die Frage auf, ob es denn charismatische Einsiedler gäbe: ein Einsiedler braucht kein Charisma, weil er nur für sich ist. Und wenn er es besitzt, dann wird es immer erst dann sichtbar werden, wenn er in Kontakt mit anderen Menschen ist.

Wenn Charisma eine Gabe ist, dann wäre eine Conclusio, dass man es auch nicht lernen kann, maximal verfeinern und weiterentwickeln. Ich persönlich glaube auch, dass es nicht für jeden Menschen wichtig ist, charismatisch zu sein, weil jeder von uns eine andere Aufgabe in dieser Welt hat. Dort, wo jemand mit Menschen auf einer persönlichen Ebene zu tun hat, sie bestärkt oder in einem Arbeits- oder Entwicklungsprozess begleitet, hilft es sicher. Sei das beispielsweise als Führungskraft, als PolitikerIn, als Lehrerin, Arzt, Therapeut oder Coach.

Was macht nun eine charismatische Führungspersönlichkeit aus? Ich habe mich umgehört und folgende Antworten bekommen:

  • Jemand, der andere inspiriert und eine menschenfreundliche Geisteshaltung vermittelt.
  • Jemand, der andere dazu ermutigt, ihre persönlichen Stärken und Fähigkeiten zu entwickeln.
  • Jemand, der eine Vision hat.
  • Jemand, dem es nicht vorrangig um sich als Person geht, sondern um sein ehrenhaftes Anliegen.
  • Jemand, der das Menschliche in all seinen Facetten in den Mittelpunkt stellt.
  • Jemand, der nicht aus “Ego-Gründen” Vorbild ist, sondern durch sein authentisches Handeln.

Wenn wir uns in unserer Businesswelt oder in der Politik umsehen, dann ist es augenscheinlich, dass wir dringend mehr Menschen mit diesen Qualitäten brauchen: Menschen, die sich auf ehrliche Weise mit ihrer Vision und Menschenliebe für das Gesamtwohl einsetzen. Es sind auch genau diese Menschen, von denen wir uns gerne mitreißen, begeistern und inspirieren lassen, weil wir spüren, dass ihnen ihre Botschaft ein echtes Herzensanliegen ist.

Fotocredit: Fotolia_© tashatuvango

Ja oder Nein?

Ja oder Nein?

Über die Art, wie wir so manche Entscheidung treffen.

Wir Menschen sind interessante Wesen: zum einen mögen es die wenigsten von uns, Entscheidungen zu treffen, zum anderen wollen wir auch nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Wie also nun?

Wer von Ihnen trägt sich gerade mit einer großen Entscheidung? Oder fühlt sich gerade ohnmächtig, sich zu entscheiden? Oder hat sich zwar im Außen entschieden, aber innerlich nicht (und zwar dann, wenn es Sie noch weiter zum Grübeln bringt)?
Wie oft glauben wir, Entscheidungen getroffen zu haben und sie innerlich aber so gar nicht getroffen zu haben? Das fällt uns erst dann ein, wenn wir  – oft schon nach kurzer Zeit – unsicher werden, unsere Entscheidung revidieren oder einen Rückzieher machen… Woran liegt das? Weil wir vielleicht nicht das Ergebnis einer Entscheidung erkennen können oder Angst haben, dass etwas schief gehen könnte?

Entscheidungen haben immer mit einer Wahlmöglichkeit zu tun – auch, wenn wir es manchmal so nicht nennen würden, wenn wir z.B. für unser Empfinden “nur” zwischen zwei vermeintlichen Übeln “wählen” können.

Es gibt Menschen, die entscheiden vorrangig strategisch, rational überlegt, wenn sie einen Plan und ein erkennbares Ziel vor den Augen haben. Wenn sie glauben, das Ergebnis einer Entscheidung  am Horizont erkennen zu können. das vermeintlich sichtbare Ergebnis schafft gefühlte Sicherheit. Und Sicherheit bedeutet “Überleben”. Und trotzdem ist es so, dass man den Ausgang einer Entscheidung eben nicht im Vorhinein weiß. Wahrscheinlich nie. Von klein auf haben die meisten von uns gelernt, auf Sicherheit zu achten. So funktioniert unsere Welt in vielen Belangen. Aber Sicherheit gibt es nicht. Und dann gibt es Menschen, die sich mehr auf ihr Gespür verlassen, die aus Interesse an einer Erfahrung entscheiden, also erfahrungsorientiert, ohne genau sagen zu können, was am Ende des Tages passieren wird. Die also kein klar formulierbares und konkretes Ziel vor Augen haben, sondern mehr ein Gefühl Triebfeder für die Entscheidung ist.

Wenn ich mein Leben betrachte, dann fällt mir auf, dass ich die großen Entscheidungen, wie z.B. meine Selbstständigkeit, so gut wie nie im Lichte eines erkennbaren Ergebnisses gefällt habe. Es war immer vor allem mit einem starken Bauchimpuls kombiniert, einem Gefühl und einer Klarheit, die nicht erklärbar waren. Wenn ich heute darauf zurückschaue, dann denke ich mir oft: ui, das war schon mutig, den ich hatte damals keine klare Strategie (okay, einen Business Plan schon, aber das war auch schon alles). Und gleichzeitig erinnere ich mich an das Gefühl, das da war und das mir Sicherheit gab und nach wie vor gibt. Unerklärbar. Ohne konkreten Plan.

Im Businessleben müssen wir Entscheidungen meist erklären und mit Zahlen belegen können, nachvollziehbare Gründe haben oder Erfahrungswerte vorweisen können. Auch hier geht es wieder um Sicherheit. Denn es könnte ja schief gehen. Und da sind wir auch schon bei unserem Umgang mit Entscheidungen, die nicht gut gegangen sind, die gescheitert sind…das wollen wir schließlich vermeiden. Doch wieso wollen wir das denn eigentlich vermeiden? Hat denn nicht eine negative Erfahrung auch ihren positiven Wert?

Unsere Wirtschaft funktioniert strategisch rational. Wir machen Business-Pläne, wir schreiben Unternehmensstrategien, setzen uns Ziele und sind am Ende “verwundert”, wenn dann eh alles ganz anders kommt. Menschen, die vorrangig erfahrungsorientiert entscheiden, tun sich in einem solchen wirtschaftlichen Umfeld schwer, denn sie können den Nutzen von Strategie und Zielen schwer nachvollziehen, empfinden sie als Zeitverschwendung. Es geht ihnen mehr um die Erfahrung als um die Strategie, mehr um “das gefühlte Was” ich umsetzen will als um das konkrete Ergebnis.

Strategisch entscheiden und alles zu kontrollieren wird in den kommenden Jahrzehnten im Wirtschaftsleben wohl einen anderen Stellenwert einnehmen, als in den letzten Jahrzehnten. Die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre haben uns wieder gezeigt, wie schwierig Prognosen und Planungen sind. Planung ist dann gut, wenn sie eine Richtschnur darstellt, die veränderbar sein darf, weil neue Entscheidungen getroffen werden, die auf Basis von neuen Erfahrungen getroffen werden. Und neue Lösungen zeigen sich vorrangig durch Erfahrungen, die Raum für Bewegung geben.

“Fake it till you make it!”

Kennt Ihr das auch: es gibt viel zu tun und irgendwie kriegt Ihr gerade nichts weiter? Alles, was Ihr angreift lässt sich nicht machen, lässt sich nicht umsetzen, funktioniert gerade nicht oder Ihr braucht jemandes Unterstützung dazu, der gerade nicht da ist? Ja, solche Tage gibt es! Was macht Ihr denn an solchen Tagen?

Ich bin ja ein Mensch, der dazu neigt, sich selbst Druck zu machen und für mich können sich solche Tage echt mühsam anfühlen, wenn nichts weitergehen will, Das spannende ist, dass, wenn Dinge zu stagnieren scheinen, verliere ich auch leicht mal die Freude für Dinge, die ich sonst sehr gerne mache. Dann werde ich richtig lustlos und frustig-faul. Und das ist definitiv nicht mein liebster Zustand. 😉

In solchen Situationen hilft mir Laufen oder Yoga, dem innerlichen, hausgemachten Druck auf eine andere Art zu begegnen, ihm den Druck rauszunehmen – zumindest biochemisch. Stagnation ist allerdings nur eine Illusion, wie wir wissen, denn die Welt bewegt sich immer weiter. Vielleicht gefühlt gerade nicht in dem Bereich, auf den ich gerade mein persönliches Augenmerk gelegt habe. Wenn der Druck dann durch das Laufen ein erträglicheres Maß angenommen hat, habe ich einen klareren Blick auch für andere Dinge, die es sonst auch noch zu tun gibt. Und dann fange ich mal an irgendeiner anderen Ecke an.

„Fake it till you make it“ hat mir die amerikanische Glücksforscherin Barbara Fredrickson auf einem Seminar letztes Jahr im Juni mitgegeben. „Tu mal so als ob, bis es kippt und du es schaffst“, bedeutet das in etwa. Dieses Motto erklärte sie uns im Zuge eines Vortrags zu ihren Glücksforschungen und dem Widerstand gegen beispielsweise regelmäßiges Meditieren oder auch anderen Dingen, die wir in unserem Leben als mühevoll, aber wichtig empfinden. Für manche ist das z.B. auch Sport, oder weniger zu essen oder sich mit einer neuen Software zu beschäftigen oder mehr zu lesen oder ein Buch zu exzerpieren oder oder oder. Einfach anfangen, meinte sie, auch, wenn man gerade keine Lust darauf hätte oder den Zugang dazu gerade nicht spüren könnte. Dann käme irgendwann der Moment, wo es plötzlich funktioniert und sogar Spaß macht.

An Tagen, wo nichts weitergeht oder ich nichts weiterbringe, beginne ich schnell auch an den Dingen, die mir normalerweise Freude bereiten, die Lust zu verlieren. Und weil das gar kein befriedigender Zustand ist, fange ich dann meist mit irgendetwas anderem an. Dranzubleiben an Dingen, die jetzt im Augenblick nicht funktionieren wollen und mich darüber ärgern und hineinsteigern hat keinen Wert, auch, wenn es gerade dringend nötig wäre. Vielleicht ist zu der anderen Sache in diesem Moment auch keine große Lust da – weil ja gerade zu gar nichts Erkennbarem Lust da ist: egal, einfach beginnen! Und siehe da, es braucht vielleicht ein wenig mehr Energie zu Beginn, aber wenn man dran bleibt dann kommt die Freude wieder zurück und meist lassen sich dann auch die anderen „zwickenden“ Angelegenheiten leichter und schneller erledigen…

Zeit für Neujahrsvorsätze?

Was sind denn deine Neujahrsvorsätze? Der Beginn des neuen Jahres scheint der geeignete Anlass, unseren Marotten, ungesunden Lebensweisen oder überflüssigen Kilos den Kampf anzusagen? Auszumisten oder mehr Bewegung oder Meditation zu machen, sich mehr Zeit für sich oder andere zu nehmen, weniger zu arbeiten? Wer von uns kennt das nicht? Und dann geht es los: wir quälen uns, weniger zu essen, weniger zu rauchen, alle Stiegen bis in den 6. Stock zu Fuß zu gehen…wir machen es, aber es kostet sehr viel Energie. Und wer kennt dann nicht auch das Gefühl der Resignation nach Wochen (wenn nicht schon Tagen), wieder mal mit dem Durchziehen der Vorsätze gescheitert zu sein?

Ich habe vor einigen Jahren begonnen, mir keine Vorsätze mehr für das neue Jahr vorzunehmen, weil der 1. oder wenigstens 2. Jänner in den seltensten Fällen gefühlt der „richtige“ Zeitpunkt für mich war. Der Wunsch nach Veränderung war zwar da…und der innere Schweinehund folgte ihm auf den Fuß. 😉 Und der hat in kürzester Zeit den noch so einfachsten Vorsätzen den fruchtbaren Boden genommen…

Also habe ich begonnen, mich nach dem gefühlt richtigen Zeitpunkt „umzusehen“, jenem Zeitpunkt, wo innere Bereitschaft und Leidensdruck zusammenkommen, wo ich schon regelrecht Lust bekomme, etwas zu verändern. Und interessanterweise sind diese Zeitpunkte gut erkennbar, wenn man sie erkennen möchte. Diese Zeitpunkte haben nichts mit Kalenderdaten oder Wochenbeginn zu tun. Ich weiß dann einfach intuitiv – meist 2-3 Tage bevor ich eine Veränderung beginne – dass es jetzt soweit ist. Und interessanterweise kostet das dann im Vergleich zum Vorsatz kaum Energie und geht ganz leicht, ja macht sogar Spaß…

Oft hab ich mir früher auch einfach zu große Ziele gesteckt, wie z.B. 10 kg abzunehmen oder meine ganze Wohnung auf einmal auszumisten oder, oder, oder… Und weil das Ziel sooo groß war, war das Durchhalten dann wohl auch so schwierig. Mittlerweile mache ich es anders. Ich überlege mir zwei, maximal drei Dinge/ Aspekte, die ich in meinem Leben verändern möchte und die behalte ich das Jahr über im Auge. So ist z.B. ein Punkt im letzten Jahr gewesen, meine Buchhaltung nicht immer bis zum letzten Moment liegen zu lassen, sondern laufend – spätestens zu jedem Quartalsende – zu machen, oder 2 x im Jahr mein Gewand oder Bücher auszumisten oder für die Hälfte des Jahres (und das aufs Jahr verteilt) auf Zucker zu verzichten. Ich stecke mir sie also recht locker meine Ziele und siehe da, das scheint zu funktionieren. Die größere Herausforderung für mich ist also vielmehr das stetige, nachhaltige Dranbleiben, als das schnelle Umsetzen und auf diese Weise stellt sich der Erfolg für mich offenbar leichter ein.

Was bedeutet das nun für deine Neujahrsvorsätze? Wie kannst du es dir leichter machen, das, was du gerne verändern möchtest auch umzusetzen?

Ein Happy 2015 uns allen Lebewesen auf dieser Erde! 🙂